Es duftete schon lieblich nach Lavendel, Nelken und Sternanis und sanfte Klänge einer Neuaufnahme vom Kammerorchester, der "Serenata Tortio" (ein klassisches Meisterwerk des längst verstorbenen aber auf Torta Mandorle unsterblich geltenden Mo-Amadeo Zart, seinerzeit 1. Hofkomponist) versetzten Prinz Meering in Hochstimmung und freudigste Erwartung auf sein Schäumchenbad. Er hatte nur noch seinen hoheitlichen Plüschmorgenrock um den bloßen Körper gehüllt und öffnete enthusiastisch die Tür zum Badezimmer. Das Zimmer war ringsum in kaffeefarbenem Ton gestrichen, auf der einen Seite befanden sich ein Waschbecken mit Spiegel und Schränkchen auf der anderen Seite stand eine ziemlich große Badewanne aus vanilleeisfarbener Keramik, die mit sahnefarbenen (eigentlich normales weiß, aber der Architekt hatte großen Wert darauf gelegt, das es Sahnefarbe heißen muss) Armaturen ausgestattet war. In der Mitte des Raumes war eine große, espressofarbene Faltwand als Raumteiler aufgestellt. Schnellen Schrittes eilte er auf die vanilleeisgelbe Keramikbadewanne zu und war gerade im Begriff seinen Morgenrock fallen zu lassen, als hinter der Espresso-Faltwand, ein junges, hübsches und keck lächelndes Mädchen hervorkam und fröhlich in das erschreckte Gesicht des Prinzen blickte.
"Was in aller Welt...", entfuhr es stockend dem fast entblößten Herrscher,...was in aller Welt tut ihr hier? Und wer seid ihr überhaupt. Und wie könnt ihr es wagen in meine privaten Räumlichkeiten einzudringen?"
"Oh ich denke ich bin ganz offiziell hier, in Vertretung von Madam Kordillia, eurer Hausdame, die heute unpässlich und meine Tante ist, und ich habe mir erlaubt, das Schäumchenbad vorzubereiten, wie vorgesehen - exakte Temperatur von 40,82."
"Mir war nicht bekannt, dass Madam Kordillia eine Nichte hat."
Der Prinz war immer noch sichtlich irritiert, bemühte sich aber souverän zu erscheinen.
"Und jetzt nenne mir bitte mal deinen Namen, bevor du die Tür zügig von außen schließt", forderte er sie auf.
"Grobjana Motorika, eure Hoheit, und mit Verlaub:: Ich habe ihr Quietschetörtchen nicht finden können, meine Tante hatte es erwähnt."
"RAUS!!! Sofort! Unverschämtes Ding!" Er wischte sich über die Augen, die aus unerklärlichen Gründen plötzlich brannten, vermutlich wieder eine dieser scheußlichen Mikrofliegen, die in den Frühjahrsmonaten immer eine außerordentliche Plage darstellten. Mit wild wedelnden Händen scheuchte er Grobjana – und hoffentlich mit ihr auch alle Mikrofleigen - zur Tür hinaus, nachdem er seinen Morgenmantel fest verknotet hatte und verriegelte die Tür. Durch die Tür vernam er noch einmal ihre Stimme:
"Ich richte dann Ihre frischen Kleider im Gemach und bereite ihre Massage vor. Angenehmes Bad", säuselte es durch die hölzerne Tür.
"Wenn Sie massiert wie sie heißt, will ich lieber im Bade ertrinken!", schnaubte Prinz Meering zu sich selber.
Er begab sich ein zweites Mal auf die Wanne zu, nicht ohne einen mißtrauischen Blick auf die Faltwand zu werfen, ließ dann seinen Rock fallen und stieg ins Badewasser. Langgestreckt und mit geschlossenen Augen verweilte er einige Minuten, sich ganz aufs regelmäßige Atmen konzentrierend, um größtmögliche Entspannung zu erreichen. Nachdem, wie schon erwähnt, einige Minuten vergangen waren, öffnete er seine Augen und streckte seine Hand nach der Duschbrause aus, die an den Armaturen befestigt war. Der Griff der Brause war ungewöhnlich breit und es befanden sich etliche Tasten auf ihr, ähnlich einem transportablen Telefon. Er gab einen, nur ihm bekannten Code ein und gleich darauf machte es "Klack". Links neben der Badewanne an der Wand hatte sich ein geheimes Fach geöffnet, in dem sich eine kleine Metalldose befand. Er nahm das Döschen aus dem Fach streichelte einmal über den Deckel und öffnete es dann sanft. In dem Döschen, auf Samt gebetet, steckte ein kleines und sein liebstes Badewannenutensil – das Quietschetörtchen. Aus einem speziellen Kunststoff, lustig bunt und detailreich gefertigt - man konnte sehr gut die Struktur des Törtchenbodens nachvollziehen und auch die Cremesorte war zu erkennen, Stracciateta-Nuss – durfte es bei jedem Schäumchenbad, des Prinzen Unterhaltung sein. Und er genoß die traute Zweisamkeit in vollen Zügen.
Grobjana Motorika wuselte unterdessen im Schlafgemach des Prinzen umher, vom Kleiderschrank zum Himmelbett, vom Himmelbett zur Kommode, von der Kommode wieder zurück zum Kleiderschrank. Sie versuchte miteinander harmonierende Kleidungsstücke auf dem Bett zu arangieren, begutachtete dafür alle Schubladen der Kommode und öffnete sämtliche Türen des riesigen Kleiderschrankes. Sie türmte verschiedene Kleider auf dem Bett auf, um sogleich ihre Auswahl wieder zu verwerfen, falsch zurückzusortieren, und einen neuen Berg zu produzieren. Ach wie war sie aufgeregt! Bisher hatte sie den Prinzen nur von weitem bei Straßenparaden oder auf dem Übertragungsbildschirm daheim bei ihrer Tante gesehen. Und jetzt war sie - die unbedeutende Grobjana Motorika – höchstpersönlich in seine privatesten Räume vorgedrungen. Ihre Freundinnen würden platzen vor Neid! Sie durfte jetzt nur keine Fehler machen. Denn sie wollte ihn unbedingt besser kennenlernen. Ihre erste Begegnung war ihrem Gefühl nach ganz gut gelaufen, er schien sie zu mögen, was er in der überraschenden Situation natürlich nicht so deutlich zeigen konnte. Aber sie hatte da so ein Glitzern in seinen Augen gesehen, kurz bevor er sich über die Augen gewischt hatte, zwar nur kurz, aber doch lang genug um nur zufällig zu sein. Sie spürte wie ihr Herz etwas schneller zu schlagen begann und machte sich gleich noch beflissener an ihre Arbeit. Ihre Tante hatte sich sehr besorgt darüber gezeigt, ob ihre Nichte in dem ihr ungewohnten Umfeld zurechtkommen würde, zumal sie nicht gerade mit einem "filigranen Auftreten gesegnet sei" wie sie es ausdrückte. Da sie aber so schwer krank war, das an Arbeit momentan nicht zu denken war und sie sonst niemanden hatte, musste sie Grobjana als Vertretung schicken, nicht ohne ein: "Knorr-Souff-Lee steh mir bei" zu seufzen, als ihre Nichte das Haus verließ.