Wer Prinz Meering nachmacht oder fälscht, fälschlich nachmacht bzw. nachmachend fälscht, oder nachgemacht oder gefälscht in Umlauf bringt oder gar als sein Werk ausgibt, der ist böse und wird hart bestraft! Also, Vorsicht ist geboten!

Mittwoch, 16. April 2008

Prinz Merring 13

Es duftete schon lieblich nach Lavendel, Nelken und Sternanis und sanfte Klänge einer Neuaufnahme vom Kammerorchester, der "Serenata Tortio" (ein klassisches Meisterwerk des längst verstorbenen aber auf Torta Mandorle unsterblich geltenden Mo-Amadeo Zart, seinerzeit 1. Hofkomponist) versetzten Prinz Meering in Hochstimmung und freudigste Erwartung auf sein Schäumchenbad. Er hatte nur noch seinen hoheitlichen Plüschmorgenrock um den bloßen Körper gehüllt und öffnete enthusiastisch die Tür zum Badezimmer. Das Zimmer war ringsum in kaffeefarbenem Ton gestrichen, auf der einen Seite befanden sich ein Waschbecken mit Spiegel und Schränkchen auf der anderen Seite stand eine ziemlich große Badewanne aus vanilleeisfarbener Keramik, die mit sahnefarbenen (eigentlich normales weiß, aber der Architekt hatte großen Wert darauf gelegt, das es Sahnefarbe heißen muss) Armaturen ausgestattet war. In der Mitte des Raumes war eine große, espressofarbene Faltwand als Raumteiler aufgestellt. Schnellen Schrittes eilte er auf die vanilleeisgelbe Keramikbadewanne zu und war gerade im Begriff seinen Morgenrock fallen zu lassen, als hinter der Espresso-Faltwand, ein junges, hübsches und keck lächelndes Mädchen hervorkam und fröhlich in das erschreckte Gesicht des Prinzen blickte.

"Was in aller Welt...", entfuhr es stockend dem fast entblößten Herrscher,...was in aller Welt tut ihr hier? Und wer seid ihr überhaupt. Und wie könnt ihr es wagen in meine privaten Räumlichkeiten einzudringen?"
"Oh ich denke ich bin ganz offiziell hier, in Vertretung von Madam Kordillia, eurer Hausdame, die heute unpässlich und meine Tante ist, und ich habe mir erlaubt, das Schäumchenbad vorzubereiten, wie vorgesehen - exakte Temperatur von 40,82."
"Mir war nicht bekannt, dass Madam Kordillia eine Nichte hat."
Der Prinz war immer noch sichtlich irritiert, bemühte sich aber souverän zu erscheinen.
"Und jetzt nenne mir bitte mal deinen Namen, bevor du die Tür zügig von außen schließt", forderte er sie auf.

"Grobjana Motorika, eure Hoheit, und mit Verlaub:: Ich habe ihr Quietschetörtchen nicht finden können, meine Tante hatte es erwähnt."
"RAUS!!! Sofort! Unverschämtes Ding!" Er wischte sich über die Augen, die aus unerklärlichen Gründen plötzlich brannten, vermutlich wieder eine dieser scheußlichen Mikrofliegen, die in den Frühjahrsmonaten immer eine außerordentliche Plage darstellten. Mit wild wedelnden Händen scheuchte er Grobjana – und hoffentlich mit ihr auch alle Mikrofleigen - zur Tür hinaus, nachdem er seinen Morgenmantel fest verknotet hatte und verriegelte die Tür. Durch die Tür vernam er noch einmal ihre Stimme:
"Ich richte dann Ihre frischen Kleider im Gemach und bereite ihre Massage vor. Angenehmes Bad", säuselte es durch die hölzerne Tür.
"Wenn Sie massiert wie sie heißt, will ich lieber im Bade ertrinken!", schnaubte Prinz Meering zu sich selber.
Er begab sich ein zweites Mal auf die Wanne zu, nicht ohne einen mißtrauischen Blick auf die Faltwand zu werfen, ließ dann seinen Rock fallen und stieg ins Badewasser. Langgestreckt und mit geschlossenen Augen verweilte er einige Minuten, sich ganz aufs regelmäßige Atmen konzentrierend, um größtmögliche Entspannung zu erreichen. Nachdem, wie schon erwähnt, einige Minuten vergangen waren, öffnete er seine Augen und streckte seine Hand nach der Duschbrause aus, die an den Armaturen befestigt war. Der Griff der Brause war ungewöhnlich breit und es befanden sich etliche Tasten auf ihr, ähnlich einem transportablen Telefon. Er gab einen, nur ihm bekannten Code ein und gleich darauf machte es "Klack". Links neben der Badewanne an der Wand hatte sich ein geheimes Fach geöffnet, in dem sich eine kleine Metalldose befand. Er nahm das Döschen aus dem Fach streichelte einmal über den Deckel und öffnete es dann sanft. In dem Döschen, auf Samt gebetet, steckte ein kleines und sein liebstes Badewannenutensil – das Quietschetörtchen. Aus einem speziellen Kunststoff, lustig bunt und detailreich gefertigt - man konnte sehr gut die Struktur des Törtchenbodens nachvollziehen und auch die Cremesorte war zu erkennen, Stracciateta-Nuss – durfte es bei jedem Schäumchenbad, des Prinzen Unterhaltung sein. Und er genoß die traute Zweisamkeit in vollen Zügen.

Grobjana Motorika wuselte unterdessen im Schlafgemach des Prinzen umher, vom Kleiderschrank zum Himmelbett, vom Himmelbett zur Kommode, von der Kommode wieder zurück zum Kleiderschrank. Sie versuchte miteinander harmonierende Kleidungsstücke auf dem Bett zu arangieren, begutachtete dafür alle Schubladen der Kommode und öffnete sämtliche Türen des riesigen Kleiderschrankes. Sie türmte verschiedene Kleider auf dem Bett auf, um sogleich ihre Auswahl wieder zu verwerfen, falsch zurückzusortieren, und einen neuen Berg zu produzieren. Ach wie war sie aufgeregt! Bisher hatte sie den Prinzen nur von weitem bei Straßenparaden oder auf dem Übertragungsbildschirm daheim bei ihrer Tante gesehen. Und jetzt war sie - die unbedeutende Grobjana Motorika – höchstpersönlich in seine privatesten Räume vorgedrungen. Ihre Freundinnen würden platzen vor Neid! Sie durfte jetzt nur keine Fehler machen. Denn sie wollte ihn unbedingt besser kennenlernen. Ihre erste Begegnung war ihrem Gefühl nach ganz gut gelaufen, er schien sie zu mögen, was er in der überraschenden Situation natürlich nicht so deutlich zeigen konnte. Aber sie hatte da so ein Glitzern in seinen Augen gesehen, kurz bevor er sich über die Augen gewischt hatte, zwar nur kurz, aber doch lang genug um nur zufällig zu sein. Sie spürte wie ihr Herz etwas schneller zu schlagen begann und machte sich gleich noch beflissener an ihre Arbeit. Ihre Tante hatte sich sehr besorgt darüber gezeigt, ob ihre Nichte in dem ihr ungewohnten Umfeld zurechtkommen würde, zumal sie nicht gerade mit einem "filigranen Auftreten gesegnet sei" wie sie es ausdrückte. Da sie aber so schwer krank war, das an Arbeit momentan nicht zu denken war und sie sonst niemanden hatte, musste sie Grobjana als Vertretung schicken, nicht ohne ein: "Knorr-Souff-Lee steh mir bei" zu seufzen, als ihre Nichte das Haus verließ.



Dienstag, 25. März 2008

Prinz Merring 12

Strako Hut stand also in diesem höchst vielseitigen Labor und sinnierte über seinen finsteren Plänen. Langsam trat er auf die drei palavernden Wissenschaftler zu, um sich nach den neuesten Entwicklungen zu erkundigen. Sie bemerkten ihn erst als er hinter Ihnen zu sprechen begann, sein Fluchen wegen der falsch justierten Hydraulik hatten sie zwar mitbekommen, es war aber inzwischen so alltäglich wie die sonstigen Laborgeräusche, so dass sie ihm, es sei denn er fluchte über sie, keine weitere Beachtung schenkten.
"Wie sieht es aus, meine hochbezahlten Wissenschaftler, können wir wie geplant in drei Tagen den ersten Testlauf des SEK durchführen? Ich erwarte eine positive Antwort!", bellte er sie barsch an.
"Wir geben unser Bestes und sind durchaus positiven Erwartens, was die temporäre als auch konstruktionelle Durchführung der Phase 2-1A des *K.A.P.U.Z.E.M.I.T.M.I.S.T.-Projektes anbelangt.", beeilte sich, aber nicht ohne Würde, der älteste der drei Wissenschaftler, *Prof. O.G.1 zu sagen.
"Spart euch euer ausschweifendes Gerede werter Professor, ich kenne den Namen meines Projektes, habe schließlich zweieinhalb Tage daran gesessen um die Kürzel so anzuordnen, dass ein toller Satz entsteht, was mir wieder mal fabelhaft gelungen ist wie ich selber zugeben muss. Die heutige Preisfrage lautet ganz simple: Werden wir in drei Tagen, exakt zur Tagesmitte den ersten Testlauf starten können?"
"Wir werden, Meister."

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*K.A.P.U.Z.E.M.I.T.M.I.S.T.-Projekt: "Kaputt, absolut platt und zwar endgültig, mache ich Torta-Mandorle, mit irrsinnig spektakulären Triumpf". Der fiese Vernichtungsplan von Strako Hut.

*Prof. O.G.1: Das O.G. steht für "ohne Gleichen", ein Titel, den nur die besten aller Wissenschaftler führen dürfen, die Zahl dahinter für den Wissenschaftsrang, eine alte Klassifizierung der Mei-Emmi-Fleiß Universität.

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"Es geht doch Professorchen, und da es eine Preisfrage war, bekommen sie für Ihre richtige Antwort einen meiner selbstgestrickten Nasenwärmer."
Etwas merkwürdig seine Gesichtspartien anordnend nahm der Wissenschaftler seinen Preis entgegen, quittiert von verstecktem Grinsen seiner Kollegen.


"Und nun zeigen Sie mir mein Baby, ich möchte seine Fortschritte bewundern."
Strako eilte voran, auf die Glaskuppel zu, die Wissenschaftler gingen gelehrten Schrittes hinterher. Sie stiegen die metallenen Stufen hinab in einen riesigen Raum, ohne Fenster und Türen, in dessen Mitte ein gewaltiger, glänzender Apparat auf einem Gerüst aus Stahl stand. Das Ding auf dem Gerüst ähnelte dem, was dabei herauskommen könnte, wenn sich ein elektronischer Riesenmaulwurf mit einer Kühltruhe paaren würde, die wiederum einen Panzer und einen Adler in ihren Genen hat. Einer der Studenten hatte das Wort "unglaublich" ausgesucht, um seinen ersten Eindruck zu verbalisieren. Keiner hatte widersprochen.
"Es sieht von mal zu mal schrecklicher aus, wundervoll!", brach es aus Strako Hut hervor.
Er näherte sich dem merkwürdigen Objekt bis er direkt davor stand, streckte seine Hand aus und streichelte zärtlich, als ob es sich tatsächlich um sein Baby handeln würde, über den Teil, der die Nase des elektronischen Riesenmaulwurfs hätte sein müssen, wenn einer verwendet worden wäre. Voller Bewunderung bestaunte er die vielen Kabel, Schläuche, Hydraulikelemente (zum Glück war der verwegene Volker kein Wissenschaftler geworden), Metallstreben, Zahnräder und sonstige Teile, die zusammen diese beeindruckende Maschine ergaben, deren einziger aber unvergesslicher Nutzen es sein würde, Torta Mandorle mit allem was sich auf ihm befand zu eliminieren.
Weil es jedesmal ein Genuß war sich den genauen Ablauf des Supergau von Torta Mandorle vorzustellen, wendete er sich wieder den drei Wissenschaftlern zu, um sich zum wiederholten Male die Fähigkeiten und Funktionsweißen der niederträchtigsten Geheimwaffe, dem strazipozilem, esphärostoquastischen Konzentratomaten erklären zu lassen.


Sonntag, 23. März 2008

Prinz Merring 11

Ein Igel flog 114 Meter weit, von einem von Sträuchern überwucherten Hügel, hinab auf eine weite Talebene, den einzigen Steinbrocken im Umkreis von mehreren Kilometern antreffend. Und eine Igelfrau hatte an diesem Abend leider eine Portion Schneckensuppe zuviel gekocht.
"Wann reparierst du endlich die scheiss Hydraulik von dem verdammten Schachtdeckel? Er springt ja immer noch so schnell auf!" Fluchend polterte Strako Hut durch das absolut geheime Labor im total geheimen Bunker in der ziemlich geheimen Berghöhle. Kilometerweite, unbewohnte Pampa umgab den Hügel, unter dem die teuflischen Pläne zur Vernichtung von Torta Mandorle geboren und großgezogen wurden.
"Ja Boss, ich mache mich gleich nachher dran, aber hast du auch gerade auf der Überwachungskamera den komischen stacheligen Vogel gesehen, der über den Hügel geflogen ist?"
"Lenk nicht ab, sonst sehe ich gleich noch einen bescheuerten Vogel ins Tal flattern und jemand anderes als du muss den Deckel reparieren."
Mürrisch vor sich hin brummelnd, verschwand Strakos Handlanger, der als der "Verwegene Volker" bekannt war, aus dem Labor. Strako hingegen ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, und brütete in Gedanken über seinem Vorhaben. Sein tatsächliches Auge registrierte die große Apparatur, die sich über die gesamte Wandlänge der Rauminnenseite erstreckte, die Schalt- und Waltzentrale seines Bunkers und gleichzeitig das derzeitige Gehirn des strazipozilem, sphärostoquastischen Konzentratomaten, kurz SSK genannt. Sein inneres Auge dagegen sah bereits, wie Torta Mandorle auf niederträchtigste Art und Weiße vernichtet wurde. Also ganz nach seinem Geschmack. Vor der sagenhaften Maschine standen drei weißgekittelte Wissenschaftler, die intensiv im Gespräch waren, welchem kein Mensch ohne mindestens 5 Doktortitel hätte folgen können. Emsig programmierten, konfigurierten und kaffetrinkierten sie schon seit vielen Wochen an diesem Ort, an dieser Apparatur, herum.
Im hinteren Teil des schlauchförmigen Raumes befand sich mittig über dem Fußboden eine stahleingefasste Glaskuppel, aus deren Öffnung gerade eine Person stieg, (ebenso mit einem weißen Kittel bekleidet) um sich zu drei weiteren Weißkitteln zu gesellen. Es waren Studenten der Mei-Emmi Fleiß- Universität, der traditionsreichsten und elitärsten Hochschule des Planeten. Man hatte sie zu einem studienbezogenen Praktikum eingeladen, in einem geschlossenen Lieferwagen - was sie lustig fanden - in den Bunker gebracht, um sie 12 Minuten nach ihrer Ankunft, mit elektronischen Fußfesseln auszustatten, ihnen ihren zukünftigen Mentor Zwei-Nasen-Bob und seine Skalpellsammlung vorzustellen, der ihnen unter anderem mitteilte, das ihre Praktikumszeit auf unbefristet festgesetzt wurde, was ihnen innerlich, natürlich nur innerlich, den ihr Mentor hatte schließlich eine Skalpellsammlung, ein kleines Stimmungstief bescherte.

Wenige Schritte hinter der Glaskuppel endete der Raum an einer extrem dicken Betonwand in deren Mitte eine schwere Stahltür eingefasst war. Sie war mit einem BND* gesichert, den Strako Hut aus dem Labor von Dr. Dreifuss gestohlen hatte. Auf der gegenüberliegenden Wandseite der Schalt- und Waltzentrale gab es einen großen Waffenschrank mit überaus abwechslungsreicher Bestückung, eine mechanische Bedieneinheit für die Dachluke des Bunkers die dringend mal eingestellt werden musste, und eine Litfaßsäule mit Tür, in der sich eine Strick- und Häckelecke - das heimliche Hobby Strako Huts - befand.

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*BND – Bauchnabeldetektor zur Sicherung von Türen, eine Erfindung von Dr. Dreifuss, einmalig im Universum. Der Professor hatte herausgefunden das jedes Lebewesen mit Bauchnabel, einen ganz Individuellen hat. Der Detektor mißt mit einem thermometerähnlichen Stab den Nabel mit allen seinen Besonderheiten aus und vergleicht ihn mit der Computerdatei der berechtigten Personen. Die Erfindung kam Dr. Dreifuss kurz nach Fertigstellung leider abhanden, so das er bis heute nicht weiß, ob sie sich in der Praxis bewährt.

Sonntag, 4. November 2007

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 10

Wir müssen die Tortenschaufel finden, und wir müssen herausfinden, wie wir sie herstellen können, und dann müssen wir es Rojam Rätilim* mitteilen und der rüstet unsere Armee auf, und dann kann Strako Hut einpacken, und dann wird es keiner mehr wagen, Torta Mandorle und mich den Prinzen, herauszufordern“, erklärte der Herrscher hastig.
Doch zuvor“, hakte Ruta ein, „sollte seine Majestät sich eine Ruhepause gönnen. Ich schlage vor, wir treffen uns um 19.00 an dieser Stelle, um alles weitere zu besprechen.
Ihr habt recht“, stimmte der Prinz zu. „Es ist Zeit für mein Schäumchenbad und meine Nachmittagsmusestunde.“ Und fröhlich gestimmt machte er sich auf den Weg zu seinen Gemächern, nicht ohne ein königlich wohlwollendes Lächeln und ein beherztes „Für Torta Mandorle und das Wohl unseres Volkes und das Gedenken Knorr Souf-Lee's, Erstling der Schäumchen-Dynasty, von dessen Thron ich nun regiere mit dem Multiaromazepter “, dem Professor zu hinterlassen.
Er hatte gerade die Bibliothek verlassen und stand am Treppenabsatz zur königlichen Etage, als Rebal Egmur herbeieilte, mit wichtig aussehenden Schriftstücken in der Hand. Rebal war der Vorsitzende vom königlichen Philosophen und Debattierklub. Dieser versuchte immer wieder, bisher erfolglos, Erkenntnisse* aus Büchern oder Eigeninspirationen auf Torta Mandorle zu etablieren, indem sie den Prinzen zu einem königlichen Erlaß drängten, der eben diese Erkenntnisse zum Gesetz machen sollte.
Eure Majestät, eure Majestät, ein kurzer Moment Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit, für eine überaus wichtige Angelegenheit", säuselte Rebal drauflos.
"Ich halte nichts von einem Erlaß, Ampelzusatzschilder in Form von grünen Blechpfeilen einzuführen." entgegnete Prinz Meering scharf.
"Nein, nein", versuchte der Vorsitzende, den Prinzen weiter aufzuhalten, "die Ampelfrage ist postitiär." Diesen Begriff hatte er selbst erfunden und erfolgreich beim Klubtreffen in die Wort-statuten installieren können. Er wurde für alle Fragen verwendet deren Beantwortung bis auf weiteres aufgeschoben wurde.
"Postitiär, so so", murmelte Prinz Meering, dann fiel ihm sein noch ausstehendes Schäumchenbad ein und ihn überkam Sehnsucht nach seinem Quietschetörtchen.
"Es geht um folgendes", begann Rebal wieder mutig, aber er wurde sogleich von seiner Majestät unterbrochen.
"Gib her!", herrschte dieser ihn an. Er öffnete seinen goldenen Siegelring, drückte den oberen Teil mit seinem Monogram in den unteren mit dem eingeklebten Stempelkissen und stempelte schließlich, zum allergrößten Erstaunen von Rebal
Egmur, seine königliche Zustimmung auf das Antragsformular, dessen Inhalt ihm völlig unbekannt war. "So", stellte der Prinz zufrieden und präzise fest, "und jetzt möchte ich nicht mehr gestört werden!" Bei "möchte" war er bereits die Treppe hoch geeilt, weshalb das "gestört werden" etwas Mühe hatte, in vollem Umfang Rebals Gehörgang zu erreichen. Aber dieser stand ohnehin völlig fassungslos am Treppenaufgang und starrte auf seinen Antrag. Noch nie in seiner 43jährigen Amtszeit, hatte sich auch nur die Spur eines königlichen Siegelabdrucks, auf einem Erlaßantrag des Debattierklubs manifestiert. Er hatte soeben Geschichte geschrieben. Und Torta Mandorle würde ab diesem Tage, die Zeiteinheiten eines Planetens, mit dem etwas primitiven Namen Erde, übernehmen. Tage statt Take und Minuten statt Mikunden und Sekunden statt Senuten. So stand es im Antrag, den Rebal immer noch andächtig betrachtete und äußerst behutsam in den Händen hielt. Als sich seine Starre nach einigen Mikunden, nein, Minuten, löste, lief er eilends aus dem Schloss, die Strasse hinunter, in Richtung des Klubhauses.

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*Rojam Rätilim, der Kriegsminister und oberste Befehlshaber des Tam-Tam: Tortas außergewöhnliches Militär – Tollkühn, Avantgardistisch, Marginal (die Bedeutung der letzten beiden Begriffe kannte Rojam Rätilim nicht, er hatte sie in einer intergalaktischen Illustrierten gelesen und sie für passend befunden). Da seine militärisch-taktischen Aktionen oft im undefinierbaren Chaos endeten, hatten sich bei so manchem Stammtisch bereits neue Definitonen gefunden wie z.B.: Trottel arangiert militärische Total-Ausfall-Missionen.

*Die meisten dieser Erkenntnisse hatten sie aus einem Buch vom intergalaktischen Flohmarkt, das so dick war, das sie noch einen Handwagen dazu erstehen mussten, um es nach Hause bringen zu können. Es trug den Titel: "Vorschriften und Gesetzmäßigkeiten des Planeten Erde – mit vielen farbigen Abildungen".



Freitag, 2. November 2007

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 9

"Kufer Tür hatte sich nach seinem Mißgeschick zurück in seine Küche begeben, um einen Sachverhalt zu prüfen, der ihn stutzig gemacht hatte. Die Tortenschaufel hatte ein Loch in den Baum gesprengt - soweit noch in Ordnung - aber die herausgesprengten Teile hatten sich anscheinend in Luft aufgelöst, sie waren nirgends zu sehen gewesen. Kufer kontrollierte noch einmal den Krater im Küchenboden, um seine Entdeckung zu überprüfen. Und sie bestätigte sich. Kein einziger Fließensplitter, keine losen Betonstücke, nichts dergleichen war auszumachen. Nur ein großes Loch. Genau wie bei dem Baum im Garten. Nachdenklich lief der in der Küche auf und ab, dachte über den neuen Wert seiner Tortenschaufel nach, die er in der rechten Hand hielt, und die er unablässig in seine linke Hand schlug. Plötzlich hielt er mit dieser Bewegung inne und blickte erschrocken auf. Er wurde sich bewußt, das er mit einer explosinsauslösenden Waffe a.k.a. Tortenschaufel in seine Handfläche schlug. Mutig von ihm. Vermutlich schlug er nicht kräftig genug zu, aber verwunderlich war es trotzdem., da dieses Ding, das Bäume und Küchenböden sprengen konnte, sich reaktionslos gegenüber seiner Handfläche zeigte. Ein weiterer Test musste durchgeführt werden, um eine neue, sich aufbauende These, der Beweißführung auszusetzen. Da alles an diesem Nachmittag verwunderlich und irgendwie unreal schien, war im Prinzip alles weitere ebenso möglich. Konnte die Tortenschaufel etwa nur Materie zerstören, die nicht Mensch oder Tier war?
"Retök! Komm, fressi fressi!", rief Kufer mit lockender Stimme zur Küchentür hinaus. "Retök! Los, lecker lecker Schweinenase für den guten Retök, na?" Während er lauthals nach dem königlichen Hofhund rief, ging er auf den Kühlschrank zu, welcher in einer kleinen Dose, im untersten Fach, getrocknete Schweinenasen enthielt. Die Leibspeise von Retök. Er suchte gerade zwei besonders schöne Exemplare aus, da artikulierte sich von der Küchentür her ein dünnes, zotteliges Etwas, farblich eine Mischung aus "Faltenrock-grau" und "Verfaultes-Haselnussbraun". Die wenig ansprechende Farbzusammensetzung harmonierte hervorragend mit dem verfilzten Teppichfransen-Wischmobfell, das besonders an den Ohren sehr ausgeprägt war und dem unästhetischen Gesamtbild quasi den letzten Schliff gab. Manche sagten auch einfach nur: "Der Hund ist aber potthässlich. Oder: "Iiihh!"
"Wuff. Wuff wuff.", äußerte sich Retök. Der Küchenmeister ging mit den zwei Schweinenasen auf ihn zu. "Da, Kleiner, happi happi, hm lecker Schweinenase, das mag mein Retök, jaha." Kurz vor der Schnauze des Hundes zog er plötzlich seine Hand zurück, holte weit aus und warf die Schweinenasen zur Tür hinaus auf den Gehweg. Retök machte sofort kehrt und hoppelte hinterher. Er beleckte die größere der beiden, schnappte sie dann mit dem Maul und begann genüßlich auf ihr rumzukauen. Kufer positionierte sich, zielte und warf dann volles Karacho, die Tortenschaufel auf das ahnungslose Tier. Die Schaufel traf den Rücken von Retök, prallte ab und blieb auf Weg daneben liegen, während der Hund unbekümmert die zweite Schweinsnase ins Visier nahm, um sie sich gleich darauf einzuverleiben.
"Interessant, interessant." murmelte Kufer vor sich hin. "Genau, wie ich vermutet habe. Lebewesen aus Fleisch und Blut kann die Schaufel nichts anhaben." Kufers Kompetenzbereich war eher die Schlacht um's Buffett, als der Krieg der Weltraumvölker, aber er war auch nicht doof, um nicht zu erkennen, das sein Küchenwerkzeug die größte Revolution in der militärischen Geschichte der Planeten war."

An dieser Stelle stoppte Ruta Retil seine Ausführungen, holte tief Luft, und griff zeitgleich nach seinem Teepott, den er bedächtig zum Mund führte. Prinz Meering war noch ganz ergriffen von der überaus spannenden Erzählung des alten Professors, und so vergingen geschätzte 7 1/3 Mikunden in denen Ruta Retil Tee schlürfte und der Prinz abwesend an die Wand starrte. Schließliche eröffnete er dann doch das Gespräch.

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 8

Nachdem er einige Minuten sprachlos und starr rumgestanden hatte, kam langsam wieder Bewegung in den noch immer verblüfften Kufer Tür. Er kniete sich am Rande des kleinen Kraters nieder und inspizierte die Deformierung seiner Wirkungsstätte. Eine letzte Rauchschwade verließ, als stummer Zeuge der Explosion, das Loch und verdünnisierte sich in Richtung Küchendecke. Kufer griff sich die Tortenschaufel, wofür er seinen Arm ganz ausstrecken musste, um ihn erreichen zu können. Er betrachtete den Verursacher der Explosion, in seiner Hand, welcher, trotz das er keine Augen hatte und auch sonst nichts gesichtsähnliches, um Mimik zu erzeugen, unschuldig zu lächeln schien. Irgendwie. Die ganze Zeit über grübelte Kufer darüber, was hier eigentlich geschehen war und vor allem, WIE sowas möglich sein konnte. Nur das Glink-Blänz-Zeugs konnte die Veränderung nicht hervorgerufen haben, dann hätte das Loch im Boden viele Freunde, den Glink-Blänz war sein ständiges Reinigungsmittel, auch der großen Töpfe, und er ließ öfters mal was fallen. Sehr oft. Äußerst oft. Erschreckend oft! Zu oft! Er schaffte es die Selbstverurteilung zu überwinden und konzentrierte sich wieder auf das eigentliche Problem. Etwas musste mit seiner Lieblingsschaufel passiert sein. Eine Transformation. Eine Deformation. Eine Modifikation. Eine Infiltration. Eine... Er hasste es, wenn er aufgeregt war. Dann trat allzuoft seine Schwäche auf, sich in alles reinzusteigern was er dachte und der daraus entstehende Zwang, viele verschiedene Wörter, für jeden einzelnen Gedanken, zu finden. Ein Problem. Sein Problem. Seine Unart. Sein Stolperstein. Sein Manko...

"Veränderung!", brüllte er plötzlich los, als könnte er, allein mit seiner Lautstärke und Entschlossenheit, seinen psychisch-verbalen Komplikationen Einhalt gebieten.
"Veränderung", sinnierte er treffend und legte sich innerlich auf diese einfache Bezeichnung als Beschreibung der Modifikation, der Transformation, der Infiltration seiner Tortenschaufel fest. Klar war ihm, das die entscheidende Veränderung schon eingetreten sein musste, bevor er sie am Wegrand gefunden hatte. Doch so angestrengt er auch nachdachte, er konnte keine Erklärung dafür finden, was sich abgespielt haben könnte. Aber er würde es herausfinden - nicht allein - aber mit Hilfe von Dr. Robal Atorium. Dem königlichen Erfinder, Astronomen und Hobbyorigamibastler. Doch bevor er sich auf den Weg machen würde, musste er noch was ausprobieren. Er lief in den Garten hinter das Haus, auf seine kleine Laube zu. Ungefähr 15m davor stand ein großer , alter Baum, den er hasste, weil er ihm jeden Sonnenstrahl klaute, der auf sein Gartenhaus und den Liegestuhl davor scheinen wollte. Wo doch sein Liegestuhl ein eingebautes Radio und einen Cocktailglashalter hatte! Aber was nützt das, ohne Sonne? Doch vielleicht würde das ja bald der Vergangenheit angehören. Sicherheitstechnisch einwandfrei positionierte sich der Küchenchef hinter einem mächtigen Hinkelstein, der ausreichend entfernt vom niederträchtigen Gehölz, platziert war. Zwei Mal deutete Kufer eine Wurfbewegung wie mit einer Handgranate an, beim dritten Ausholen ließ er dann auch los und schleuderte die Tortenschaufel mit aller Kraft Richtung Baum.
Ein ohrenbetäubendes Krachen von altem Holz war zu vernehmen, doch das eigentlich Spektakuläre war für's Auge bestimmt und spielte sich in Bruchteilen von Senuten ab: Über und unter der Stelle, jeweils ungefähr einen dreiviertel Meter, die von der Tortenschaufel getroffen wurde, war - nichts! Es fehlten gut eineinhalb Meter Baum, bis sich der obere Rest an die Schwerkraft erinnerte und ihr eilends Folge leistete und den Raum des Holznirvanas schloß. Mit einem Dumpfen Knall setzte er auf seinem verbliebenen Stumpf auf, kippelte darauf herum, wankte, torkelte und fiel schließlich zur Seite und begrub mit lautem Getöse, Kufers Gartenhaus samt Liegestuhl unter sich.
"Intergalaktische Affenscheiße!" hörte man es hinter dem Hinkelstein schimpfen.



Dienstag, 22. Mai 2007

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 7

In der Küche angekommen, ging er zielstrebig auf den Schrank mit den Putzsachen zu, öffnete ihn und entnahm eine kleine grüngelbe Flasche "Glinkblänz 82" (82 war die Bezeichnung für die Anzahl der juckenden Pusteln die man an sich zählen konnte, sollte man die Politur ohne Handschuhe benutzen) und ein nagelneues Poliertuch und brachte beide Sachen und die Tortenschaufel zum Handwaschbecken. Er betätigte den Wasserhahn und prüfte mit der Hand die Temperatur, solange bis das Wasser angenehm warm, mit mäßiger Geschwindigkeit, ins Becken plätscherte. Dann hielt er die Hand mit der Tortenschaufel unters Wasser und rieb mit den Fingern der anderen, vorsichtig den restlichen Schmutz ab. Als alle Erdreste im Ausguß verschwunden waren, trocknete er das Werkzeug mit dem Handtuch neben dem Waschbecken ab. Dann griff er ins Regal über sich und holte eine kleine ovale Schale hervor, die er neben das Wachbecken auf die Arbeitsfläche stellte. Vorsichtig legte er die Tortenschaufel in die Schale, öffnete die Schublade, die unter der Arbeitsplatte befestigt war und entnahm ihr ein paar Gummihandschuhe, die er sogleich überstreifte. (Fachlich betrachtet bestanden die Handschuhe aus einer Gelatineform, die Kufer selbst entwickelt hatte, ein Gemisch aus herkömmlicher Gelatine und diversen anderen Beigaben, von denen die Spucke der Kuklux-Kuh* noch die gewöhnlichste war.) So ausgerüstet und dermatologisch geschützt, schraubte er die Verschlußkappe der Glinkblänz-Politurflasche auf und träufelte exakt siebenundfünfzig Tropfen davon in die Schale. Er wartete darauf, das sich ein giftgrüner Schaum entwickelte, der kurz hochwallte, um dann ebenso schnell wieder zusammenzufallen und bald darauf als dunkelgrünes Pulver zurückblieb, so wie es immer passierte. Und erst sah es auch danach aus, das alles wie erwartet vor sich gehen würde. Aber dann..."
Hier setzte Ruta Retil zur Pause an, nahm wieder einen Schluck von seinem Tee und schaute, abwesend scheinend, in den Raum. Prinz Meering konnte sich nur schwer unter Kontrolle halten, den alten Gelehrten nicht zu bedrängen, doch bitte nicht jetzt gerade eine Erzählpause einzulegen, da setzte er, zur Erleichterung seiner Majestät, wieder an, seinen Bericht fortzuführen.
"Aber dann", setzte er ein, als hätte er nie aufgehört mit reden, "entwickelte sich der Reinigungsprozess doch anders, als zuvor schon tausende Male erlebt. Nachdem die Politurflüssigkeit kurz giftgrün aufschäumte, änderte sich die Farbe und Konsistenz des Schaumes plötzlich in eine glühendrot klebrige Masse, die sich in der ganzen Schale ausbreitete, mit Bewegungen die eher einem Lebewesen als einer Chemikalie glichen, die Tortenschaufel völlig bedeckte, einen seltsamen Geruch absonderte, und dann in weniger als einer Galaktosenute, sogartig, in dem Küchenwerkzeug scheinbar verschwand. Kufer Tür wußte einen Moment lang nicht, ob er noch Herr aller seiner Sinne war, aber der zurückgebliebene rötliche Schimmer auf seiner Lieblingstortenschaufel bezeugte ihm, das er keinem Wahn verfallen war. Mit allerhöchstem Respekt näherte er seine linke Hand der Schüssel, schloß instinktiv die Augen und streckte seinen Zeigefinger in die Richtung des leuchtenden Metalls. Er hielt die Luft an, und spürte wie seine Hand zu zittern begann, verlor jegliches Gefühl für Zeit und Entfernung, als er plötzlich bemerkte, das sein Finger etwas berührte. Er schluckte zweimal schmeckte seine trockene Kehle, dann zählte er innerlich bis vier und öffnete dann ruckartig die Augen. Sein Finger berührte tatsächlich die Tortenschaufel und er war völlig in Ordnung. Nun nahm er mutig mit ganzer Hand das Werkzeug auf und hob es vor seine Augen. Kein Metall das er je gesehen hatte, war ähnlich wie dieses, er wußte nicht was passiert war, aber er wußte das seiner Tortenschaufel eine Veränderung widerfahren war. Und zumindest für den Moment, schien keine Gefahr dadurch von ihr auszugehen. Als er sie wieder zurück in die Schale legen wollte, rutschte sie ihm aus der Hand und auch sein Fangreflex konnte sie
am zu Boden fallen nicht hindern. Er schaute nach unten, und sah vor sich ein Loch in den Fließen, in das sein größter Küchentopf gepasst hätte. Und mittendrin seine Tortenschaufel."




*Die Kuklux-Kuh verdankt ihren Namen dem Geräusch das entsteht,
wenn sie mit ca. einem halben Liter Speichel im Maulraum versucht,
einen wassermelonengroßen Ballen Krötengras zu schlucken, dessen
Namen wiederum, auf der nicht zu verachtenden Anzahl Kröten im
selbigen zurückzuführen ist.

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 6

Kufer Türs Finger berührten dieses seltsame Ding, das größer war als gedacht, denn beim näheren Hinsehen bemerkte er, das er bis jetzt nur einen Teil davon gesehen hatte, der andere war unter eine Dreckkruste verborgen. Seine Hand umschloß den Gegenstand und hob ihn vorsichtig auf. Immer noch nach vorne gebeugt hielt er das Etwas vor sich und begann es mit der freien Hand behutsam zu säubern.
"Wollen doch mal sehen welchen Schatz wir da entdeckt haben...", murmelte er vor sich hin. Eine immer größere Fläche begann zu glänzen und ziemlich schnell konnte man eine Form erkennen.
"Das ist doch! Ja ich werd verrückt... ja das ist doch..", es sprudelte nur so aus ihm heraus. "Meine alte, langvermisste Lieblingstortenschaufel!" Der Konditormeister bekam glänzende Augen, Freudenfalten zierten das in die Jahre gekommene Gesicht, seine Hände die das lang vermisste Küchenutensil hielten, begannen leicht zu zittern. Die erste Träne quetschte sich aus einem Auge, während er liebevoll das feine Metall streichelte, das dadurch immer mehr an Glanz gewann.
"Das ich dich mal wiedersehen würde." sprach er sanft zur Tortenschaufel, als wäre sie ein langverschollener Freund aus Fleisch und Blut. Niemand hatte damals verstanden, warum sich Kufer Tür volle 24 Take in seiner Küche einschloss, die ersten 12 laut weinend, das folgende Dutzend dann eisig schweigend. Und alles nur wegen dieser verlorengegangenen Tortenschaufel. Aber sie war nun mal mehr für ihn als bloß ein Werkzeug seiner Kunst, sie war Motivator und Inspirationsquell, Helfer und Anführer zugleich, denn mit ihr in der Hand, kamen die Ideen wie von alleine, unzählige Exklusivitäten wurden ihr schon aufgeladen. Sie war von edelster Güte und mit höchster Präzision geschmiedet worden, verziert mit dem königlichem Siegel und dem Monogram von Kufer Tür. Hielt man sie in bestimmtem Winkel gegen das Sonnenlicht, schillerte sie in unglaublichen bläulichen Metalltönen. Sie war ein Kunstwerk für sich und nur sie war einer Präsentation der konditorischen Meisterwerke von Kufer Tür würdig.
Mit diesem zurückgewonnenen Schatz fest in den kräftigen Händen, schritt Kufer zurück zu seiner Küche, um das heiligste seiner Werkzeuge auf Hochglanz zu polieren. Er ahnte nicht, das er sich schon bald wieder sehr wundern würde und das seine Tortenschaufel außer seinen Raffinessen, in ferner Zukunft auch das Schicksal Torta Mandorles tragen würde.

Freitag, 20. April 2007

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 5

Das schummrige Licht des alten Kronleuchters, dessen Glühbirnen matt und verstaubt in den rostigen Fassungen steckten, erhellte die Bibiliothek des Schlosses nur spärlich, sorgte aber für eben die Atmosphäre, für die alte, verstaubte, Bibliotheken bekannt sind. Vereinzelt konnte man noch Kerzenstummel auf wachsüberlaufenen Tontellern ausmachen, die bescheiden vor sich hinbrennend, die Aufgabe des Kronleuchters unterstützten. Die Bibliothek war wie ein Kreuz aufgebaut, vier gleichlange und breite Gänge, beidseitig mit deckenhohen Regalreihen ausgestattet , die sich in der Mitte des Raumes trafen. Dort befand sich ein mächtiger quadratischer Schreibtischring, in dessen Mitte gerade Prinz Meering stand und bedeutungsvoll gestikulierend Meister Ruta Retil beschwor.
Retil, der gelehrteste Bewohner des Planeten und Herr der Bibliothek, stand wie immer würdevoll im literarischen Quadrat des von ihm entworfenen Raumes, direkt vor seinem imposanten Schreibtischsessel. Der ehrwürdige Meister, erhoben von seinem intellektuellen Thron, vernahm bedächtig die vielen Worte Prinz Meerings, strich sich dabei ab und zu durch den für einen Meister erforderlichen Kinnbart und nickte regelmäßig leicht, mit dem weisen Haupt.
"Was wißt Ihr über Kufer Tür? Ist es sicher das es dieses Rezeptbuch gab, und wo könnte er es verwahrt haben? Kann es überhaupt noch erhalten sein, nach so vielen Galaktojahten? Was wißt Ihr von dem Geheimnis des Buches?" Prinz Meering konnte seine innere Erregtheit nicht verbergen. Mit ungeduldigem Blick schaute er Ruta Retil in die lebenserfahrenen Augen.
"Gibt es eine Chance?"
"Nun", setzte der Meister an, "viele Fragen habt Ihr da mitgebracht mein Prinz, habt Ihr auch die erforderliche Zeit dabei, die Antworten zu hören und sie gegebenfalls hier mit mir zu suchen?"
"Gehofft hatte ich, das Ihr sie mir recht schnell beantworten könntet, das gebe ich gerne zu, doch was die verfügbare Zeit angeht: Alle Zeit die mir noch bleibt kann und muß ich aufbringen, um diese Fragen und die damit verbundenen Aufgaben zu lösen. 'Alle Zeit' ist genau noch 23571 Galaktomikunden."
"Dann sollten wir wahrlich keine Zeit verlieren, und im Geiste ins Galaktojaht 533 reisen, als Kufer Tür die große Traraundtamtamtorte erstmals kreierte." Über das Gesicht des Prinzen huschte ein kurzer Moment der Hoffnung, der sich in seinen Augen widerspiegelte, denn das gute Gefühl endlich aktiv zu werden, war im Begriff geboren zu werden.
"Wir befinden uns also eine Etage über uns, im rechten Seitenflügel des Schloßes, der Hofküche, im Frühjaht 533. Kufer Tür, der größte Konditor aller Zeiten, steht angespannt an seinem Herd, läuft nervös in seinen Kühlraum, zurück zu seinem Schreibtisch und den Rezeptbüchern, wieder zum Herd, spielt mit einem Schneebesen, säubert sich aufgeregt mit einem kleinen Messer die Fingernägel, blickt zum Fenster hinaus und fragt sich die ganze Zeit, was er nur kreieren soll, zum großen Festakt des Herrschers von Torta Mandorle. Er, der doch immer die tollsten Ideen hat. Über eintausend Rezepte hat er schon entwickelt, immer wieder neue Kombinationen entdeckt, alle der Zunft um Galaxien hinter sich gelassen, was Kreativität anbelangt. Und nun? Ein kreatives schwarzes Loch.
Zugegeben, die Feier des 33. Galaktojaht von Knorr-Souff-Lee ist eine Herausforderung, auch aus kulinarischer Sicht und alle 32 Festakte davor übertrafen sich jedesmal ums neue, was dieses Mal aber eher ein Fluch als ein Segen für Kufer Tür ist. Denn er hat einfach keine Idee. Aber noch ist die Verzweiflung nicht so groß, das der Meister der Küche passiv werden würde. Er bäckt sich seine Lieblingssüßspeise, setzt sich damit auf die Bank vor seiner Küche und
fängt mit geschlossenen Augen sowohl die warmen Sonnenstrahlen, als auch das köstliche Aroma seines Törtchens eins. Jede einzelne Zutat kann er riechen, schmecken und einzeln genießen, ohne die wunderbare Komposition aller zusammen zu verpassen. So sitzt er also da und genießt, ja mediert förmlich über seiner raffinierten Süssigkeit, nicht ahnend, das ihm der bedeutendste Moment, seiner bis jetzt schon beispiellosen Karriere bevorsteht."
Hier machte Meister Retil eine Pause und holte tief Luft. Er drehte
sich nach links und schenkte sich ein teeartiges Getränk aus einer altmodischen Kanne in einen verbeulten Becher, den er langsam erhob.
"Jetzt bin ich aber wirklich gespannt, was gleich passiert", sagte Prinz Meering, um höflich dafür zu sorgen, das der alte Meister sich nicht all zu viel Zeit mit dem Trinken ließ. Und der setzte auch schon wieder den Becher ab, räusperte sich und begann weiterzuerzählen.
"Kufer Tür saß also auf der Bank und als er wieder seine Augen öffnete, fiel sein Blick auf einen blinkenden Gegenstand, der keine drei Armlängen entfernt im kurzen Gras des Schloßparks lag. Interessiert beugte er sich nach vorne, um besser sehen zu können, streckte den Arm aus und näherte sich mit der Hand dem unbekannten Objekt.

Mittwoch, 21. März 2007

Prinz Meering - Terror auf Torta Mandorle 4

Prinz Meering saß sichtlich genervt auf seinem voluminösen Thron aus Kunsteischnee und trommelte mit seinem dreifachgegossenen Multiaromazepter unablässig auf der rechten Armlehne herum. Sein ergebener Hofberater Seisso Gud verhandelte flüsternd mit Hanni Ball, der im Begriff war das Schloß zu verlassen, wie seine mächtige, behandschuhte Hand auf der Klinke der Saaltür veriet. Keine halbe Galaktomikunde später war er auch schon durch dieselbige verschwunden, während sich Seisso Gud in Richtung des Eischneethrones wendete.
"Wir brauchen einen Plan." verkündete er, wobei er versuchte, seiner Stimme einen entschlossenen Ton zu verleihen. "Mit diesemStrako ist nicht zu spaßen, und wenn nur ein Bruchteil der Gerüchte war ist, dann brauchen wir wirklich...einen Plan."
"Wenn, ja wenn..."seufzte Prinz Meering und trommelte nun etwas energischer mit seinem Zepter auf der Lehne. "Noch 23580 Glaktomikunden und die Herrschaft der glorreichen Schäumchen Dynastie besteht seit exakt 706 Glaktojahten*, 706... genau die Anzahl anEiweißen, die es für die große Traraundtamtamtorte* bräuchte."
"Und was wenn Strako genau dieses Datum gewählt hat, um seine finsteren Pläne zu entfalten?" warf der Diener ein, nicht ohne eine Spur von Dramatik im Raum stehen zu lassen.
"Strako geht es um mehr als nur unser großes Jubiläum," erklärte der Prinz, "...er will den Untergang von ganz Torta Mandorle!"
"Und scheinbar bastelt er an einer unglaublichen Supergeheimvernichtungswaffe!" beeilte sich Seisso Gud anzufügen.
"Es wird Zeit das dem Burschen mal jemand zeigt, wo der Schneebesen hängt!" fauchte seine Hoheit angriffslustig.
"Heißt das wir starten jetzt die große Suche?" erkundigte sich der Hofberater.
"Ja ich denke es wird Zeit für Knorr Souff-Lee's großes Geheimnis.", selbstbewußt und mit fast mystischem Blick erhob sich Prinz Meering und schritt würdevoll die drei Stufen zu seinem Thron hinab. "Wenn wir das Zepter von Knorr tatsächlich finden und sollte es das
Rezeptbuch von Kufer Tür tatsächlich geben, dann wird Strako Hut schon bald Geschichte sein. Aber keine mit Happy End!"

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*Galaktojahten: Ein Galaktojaht besteht aus 1080 Taken, ein Tak hat 4320 Galaktomikunden, was exakt der Zeit entspricht, die man braucht, um den Souff-Lee Säbel zu schmieden, die beliebteste Waffe auf Torta Mandorle.

*Die große Traraundtamtamtorte: Die sagenumwobene Süßigkeit, die seinerzeit der Hofkonditor Kufer Tür kreierte zum 33. Galaktojaht des Knorr Souff-Lee. Das Rezept gilt seitdem als verschollen, und angeblich soll es ein großes Geheimnis bergen.